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FOCUS-SCHULE, Heft-Nr. 05/2008 |
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Schulen, die spitze sind |
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Es geht kein Ruck durch Deutschlands Bildungslandschaft, aber es wird angepackt und reformiert. Mit Blick auf die Informationen, die in der Schuldatenbank täglich Lehre und Lernen transparenter erscheinen lassen, wird eines klar: Es gibt mehr profilierte Schulen, als man erwarten würde. Sechs davon stellen wir hier vor Von FOCUS-SCHULE-Redakteurin Nina Meckel
 Kulturschule: Profimusiker bringen Harmonie in die Gesamtschule Bremen-Ost Die Einen bieten ein engmaschiges Netz individueller Fördermaßnahmen, die Anderen sind vor allem bemüht, die Sozialkompetenz zu stärken. So unterschiedlich sie im Einzelnen sind, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten. Alle werden von engagierten Schulleitern geführt, die im Team Projekte organisieren, Kooperationen in Gang bringen, beraten und konferieren. Sie sind keine Klischee-Lehrer, die schon am frühen Nachmittag nach Hause gehen. Alle haben einen 12-Stunden-Tag und wissen, dass ohne motivierte Kollegen und engagierte Eltern der Laden zusammenbrechen würde. Sie verstehen sich als Manager eines großen Unternehmens und verbringen von sechs Wochen Ferien oft vier in der Schule. „Man muss klare Strukturen einfordern“, erklärt Walther Vogel, Direktor der Realschule I in Nordenham, sein Konzept. Dafür bekomme man etwas zurück. „Heutige Schüler“, glaubt er, „haben nicht von vornherein ein mangelhaftes Sozialverhalten. Ich erlebe sie engagiert und sozial kompetent.“ Gesamtschule Bremen-Ost Philharmoniker im Kollegium In der Gesamtschule Bremen-Ost „geht was“, wie es Schulleiter Franz Jentschke ausdrückt. Die Schule im Brennpunktviertel Osterholz-Tenever (Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund etwa 40 Prozent) strebt danach, „die“ Kulturschule Bremens zu werden – und ist auf dem besten Weg dahin. Eine von acht Klassen pro Jahrgang hat das Schwerpunktprofil Musik, es gibt Kunst- und Theater-, aber auch Naturwissenschaftsklassen. Für das neue Schuljahr hat es Direktor Jentschke außerdem geschafft, erstmals eine Oberstufe genehmigt zu bekommen – inklusive Musik-Leistungskurs. Vor knapp zwei Jahren entschloss sich sogar die Bremer Kammerphilharmonie, bei der Gesamtschule einzuziehen. Seither unterstützen deren Profis Lehrer und Schüler im Musikunterricht. Es werden gemeinsame Aufführungen organisiert, und manchmal sitzen selbst die HipHopper und Rapper in der Probe des 37-köpfigen Orchesters und lauschen ganz versunken klassischen Klängen. „Wir mussten uns bewegen und uns ein Profil geben“ 1985 stand die Schule kurz vor dem Aus. „Wir mussten uns bewegen und uns ein Profil geben“, erklärt Franz Jentschke. Die Initialzündung dafür lieferte ein Zeitungsartikel, in dem beschrieben wurde, wie gut sich Musik auf Lernleistungs- und Sozial-verhalten auswirkt. „Wir haben das dann einfach probiert“, sagt Jentschke, ein Mann, der „lieber macht, statt zu fragen“. Er kürzte andere Fächer, und schon konnte sich die erste Klasse mit vier Stunden Musik in der Woche ausprobieren. Ein Schulleiter müsse eben Risiken auf sich nehmen. Gute Ideen seien noch nie vom Senat gerügt, sondern im Gegenteil im Nachhinein immer genehmigt worden. Das Kollegium müsse natürlich hinter ihm stehen, „und an Eltern vorbei kann man erst recht keine Schule machen“, weiß der 56-Jährige. In Bremen-Ost jedenfalls herrscht wohlklingende Aufbruchsstimmung. Johannes-Kepler-Gymnasium Chemnitz Tüfteln an der TU Das Johannes-Kepler-Gymnasium in Chemnitz gehört zu Sachsens „Schulen mit besonderer pädagogischer Prägung“ – in diesem Fall Naturwissenschaften und Technik. Schulleiter Stephan Lamm bekommt deshalb vom Land mehr Lehrer zugeteilt. Da hört die Förderung aber auch schon auf, und die Arbeit des Direktors beginnt: Für die Integration technischer Lösungen für naturwissenschaftliche Phänomene im Bio-, Chemie- oder Physikunterricht schickt er seine Kollegen zur Ausbildung ins ortsansässige Siemens-Werk. „Die Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft ist unumgänglich“, sagt Lamm. Auch mit der Technischen Universität laufe die Zusammenarbeit hervorragend. So tüfteln Kepler-Schüler in den Labors der TU an eigenen Versuchsreihen. Vor allem die Schüler aus den Klassen mit „vertieft mathematisch-naturwissenschaftlichem Profil“ können sich hier austoben. „Schüler sind permanent auf der Suche nach richtigen Gesprächspartnern“, weiß Lamm. „Und eine gute Schule ist dafür da, diese Partner für sie zu finden!“ Oberschule „Philipp Hackert“ Jeden intensiv fördern Die Oberschule „Philipp Hackert“ in Prenzlau nutzt ihre familiäre Atmosphäre, um jeden Einzelnen optimal zu fördern. Etwa 80 Schüler nimmt Schulleiter Uwe Flöter jedes Jahr auf, 40 muss er an andere Schulen verweisen. „Ich möchte meine Schüler kennen. Dann weiß ich auch, was bei ihnen zu Hause los ist“, sagt er. Und er kennt wirklich alle 330 seiner Schützlinge mit Namen: Wenn der Direktor von seinem Büro ins Klassenzimmer geht, erinnert er nebenbei Marlene an das morgige Vorstellungsgespräch und tippt Jan auf die Schulter, damit der endlich mit ihm über Englisch-Nachhilfe spricht. Auch die 26 Kollegen sind im Bilde, was der Andere gerade durchnimmt, wo Stärken und Schwächen jedes Schülers liegen. Die Wege sind kurz. Wird in der Klasse auf integrative Maßnahmen gesetzt, läuft nach dem Unterricht die individuelle Förderung an. Die Schule vermittelt Praktika und schickt die Neuntklässler einen Nachmittag in die örtlichen Betriebe. So verlassen überdurchschnittlich viele die Schule mit der Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe; fast 90 Prozent haben bereits einen Ausbildungsplatz sicher. Realschule I in Nordenham Feilen und bohren bei Airbus Die Realschule I in Nordenham schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Um die Schüler fit für den Job zu machen, um Sozialkompetenz und Selbstständigkeit zu stärken, gilt: „Jeder übernimmt mindestens einen Job.“ Und das wiederum heißt, dass die Schüler sich um Aufgaben kümmern, die sonst den Lehrern wertvolle Unterrichtszeit rauben. Geld einsammeln oder hinter Einverständniserklärungen herlaufen? „Da fragt bei uns der Klassenlehrer nur nach, ob die Aufgabe erledigt ist“, erklärt Schulleiter Walther Vogel. Hausaufgabenbetreuung, Konfliktmanagement, der Dienstplan für das Internet-Café, die Computerwartung, der Einkauf für das Schülercafé – alles Schülerjobs. Geld gibt es dafür nicht, aber lobende Worte im Zeugnis. Und die zahlen sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz aus. „Selbstständigkeit fördern, Leistung fordern und ganz klare Strukturen vorgeben, das lässt Schüler über sich hinauswachsen“, sagt Direktor Vogel. Er ist stolz, dass seine Zöglinge Computerkurse für Senioren anbieten, die regelmäßig ausgebucht sind, oder dass die älteren Schüler den jüngeren das 10-Finger-Tastschreiben beibringen. Sein Ziel ist es, „Leute mit Verantwortungsgefühl auszubilden“. Stolz ist Vogel auch darauf, dass ein Viertel der Auszubildenden beim Flugzeughersteller Airbus in Nordenham von seiner Realschule kommen. Früchte einer langjährigen Kooperation: Jedes Jahr lernen zehn Schüler zusammen mit Auszubildenden im Airbus-Werk im Rahmen einer AG feilen und bohren. Dabei haben die Ausbildungsleiter des Wirtschaftsunternehmens Gelegenheit, die Jugendlichen kennen zu lernen. „Die wissen, dass man sich auf unsere Schüler verlassen kann“, sagt Vogel. Es gibt so viele erfolgreiche Wirtschaftskooperationen an der Realschule I, dass Vogel bereits mit anderen Schulen in der Region ein Netzwerk gegründet hat, damit auch sie ihre Absolventen erfolgreich vermitteln. „Das ist natürlich viel Arbeit“, räumt er ein. Dann erinnert er sich an den ehemaligen Schüler, der ihm neulich auf dem Schulball auf die Schulter klopfte und meinte: „Hat sich echt gelohnt, alles!“ Das ist Antrieb genug, um weiterzumachen. Gesamtschule der Stadt Brühl Hier engagieren sich alle An der Gesamtschule der Stadt Brühl fühlen sich vom Hausmeister bis zum Vollzeit arbeitenden Vater alle für das Gelingen des Schulalltags und der zahlreichen Freizeitaktivitäten verantwortlich. Väter geben wie selbstverständlich Kochkurse, Mütter suchen ohne viel Aufhebens Sponsoren für das Schulfest, Schüler halten Besuchern höflich beim Eintreten die Tür auf. Leistung und Haltung sind gefragt und werden sogar in einer kleinen Feierstunde öffentlich honoriert. Für Klassenbeste gibt es eine Auszeichnung und ein kleines Geschenk. „Das gilt auch für Schüler, die sich in vielen Fächern zum Beispiel von Vier auf Zwei verbessert oder dem Klassenkameraden mit Gipsfuß ein halbes Jahr die Tasche hinterhergetragen haben“, erklärt Schulleiterin Greta Hoffmann. Im Unterricht arbeiten die Klassen in festen Lerngruppen. Und auch die Lehrer bereiten als Jahrgangsteam gemeinsam in der Schule ihre Stunden vor. Im Lehrerzimmer hat jeder seinen eigenen Arbeitsplatz. Zusätzlicher Vorteil: Alle Fachlehrer sind für die Schüler bis mindestens 16 Uhr zu sprechen. Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach Fit für die Globalisierung Das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach am Neckar hat gerade als erstes Gymnasium den Deutschen Schulpreis gewonnen (zweiter Platz). An der Schule mit mehr als 2000 Schülern gibt es so gut wie nichts, was es nicht gibt: Begabtenförderung, Hausaufgabenbetreuung, individuelle Stundenpläne für förderbedürftige Schüler, Leistungskurse von Kunst bis Technik, Nachmittagsbetreuung mit Angeboten wie Trommelkurse oder Yoga ... Schulleiter Günter Offermann sprudelt vor Ideen und setzt diese zielstrebig um. „Herr Offermann, fragen Sie nicht so viel, machen Sie einfach!“, sagte ihm Bundesbildungsministerin Annette Schavan, als sie noch Kultusministerin in Baden-Württemberg war. Der 57-Jährige will das Beste aus Schülern und Kollegen herausholen. „Auf meine Lehrer kann ich mich verlassen“, meint er. Um ganz sicherzugehen, sitzt er aber manchmal unangekündigt im Unterricht. Demnächst will er Russisch und Arabisch anbieten. Denn: „Diese Länder werden bald unsere wichtigsten Wirtschaftspartner sein. Meine Schüler sind dann vorbereitet!“ Schlagwörter: Bremen Chemnitz Deutschland FOCUS-SCHULE Gesamtschule Bremen-Ost Klassen Kollegen Lehrer Nordenham Profis Schule Schulen Schüler Schülern Siemens-Werk Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach Johannes-Keppler-Gymnasium Realschule I Oberschule "Philipp Hackert" Schulen spitze |
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