Schulkompass Focus
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FOCUS-SCHULE, Heft-Nr. 02/2009
Privatschulen von A bis Z
 
Während staatlichen Schulen geschlossen werden, eröffnen täglich zwei neue Privatschulen. Und trotzdem heißt es Schlange stehen für maßgeschneiderte Konzepte und individuellere Betreuung. Was Sie erwarten können und warum Schulgeld sozial verträglich sein muss – ein Überblick
Von FOCUS-SCHULE-Redakteurin Nina Meckel und Elena Kampe
 
 
 

In fast jeder fünften Schule empfinden Eltern die Sauberkeit als mangelhaft
 
 
A wie Alternative
Die Zeiten, als nur höhere Töchter und Söhne Privatschulen besuchten, sind vorbei. Heute kann jeder seine Kinder dort hinschicken. Der Wunsch nach individueller Betreuung, Unterstützung und zielgerichtetem Lernen treibt viele Väter und Mütter, Alternativen zur staatlichen Schule zu suchen. Flexibler auf Bedürfnisse von Eltern und Kind reagieren in der Regel die privaten. Mit durchschnittlich 150 Euro Schulgeld sind sie manchmal sogar die günstigere Variante, denn Kosten für Hortplatz, Sportverein und Nachhilfestunden am Nachmittag entfallen.
 

F wie familienfreundlich

Wenn sie morgens in Leipzig alle vier Töchter in derselben Schule abgeben, sind Bernd und Claudia Petersen jedes Mal froh, sich für die Freie Grundschule Clara Schumann entschieden zu haben. Die trägereigene Kindertagesstätte betreut auch ihre Jüngsten, die dreijährigen Zwillinge. „Logistisch gesehen, eine enorme Erleichterung“, sagt der Vater. Eigentlich suchten der Unternehmer und seine Frau vor vier Jahren nur nach einer passenden Schule für Lea, ihre Älteste. Talente der Tochter und Angebot der Schule sollten zusammenpassen. Zwei öffentliche und zwei private kamen in die engere Wahl – den Zuschlag bekam die Freie Grundschule Clara Schumann wegen ihrer vielen musischen und künstlerischen Angebote. Davon profitiert jetzt die ganze Familie.
 

I wie intensive Betreuung

Privatschulen machen Kinder nicht klüger, aber sie fördern meist individueller. Das geht aus einer Umfrage des FOCUS-SCHULE-Schulkompasses unter mehr als 3100 Eltern hervor. (In der Online-Datenbank können Eltern unter www.schulkompass.de die Schulen ihrer Kinder bewerten.) Für differenzierte, gezielte Unterstützung vergaben Eltern mit Kindern an öffentlichen Schulen durchschnittlich nur die Note Drei. Eltern von Privatschülern jubelten hingegen: „noch sehr gut“ – eins minus! Sie sind überzeugt, dass sie für ihr Geld eine bessere Schule bekommen.

Es gibt sie also, die unterschiedlichen Lernbedingungen. Kritiker geben zu bedenken, Privatschüler würden in Watte gepackt und könnten an öffentlichen Schulen nicht mit den gleichen Noten glänzen. Schulleiter privater Schulen halten dagegen: „Abitur kann man nicht kaufen! Aber das Beste in den Kindern wecken.“


Möglicher Grund für die bessere individuelle Förderung könnte das Auswahlverfahren sein. Nicht nur Eltern suchen sich die Schule aus, um als „Kunden“ umfassende Bildung einzufordern. Auch die Schule wählt aus der Vielzahl der Bewerber ihre Schüler. „Aus Kapazitätsgründen müssen wir mehr als 100 Kinder jährlich abweisen“, bestätigt Mario Korb, Leiter der Freien Grundschule Clara Schumann. Seit 1992 stieg die Zahl der Privatschulen von 1990 auf 3020 – trotzdem gibt es für jeden freien Platz derzeit zwei bis drei Bewerber.


Genommen wird, wer wissbegierig ist, sich benehmen kann und engagierte Eltern hat. Mit solchen Kindern können Lehrer gut arbeiten. In den Schulen heißt es dann oft: „Wir prüfen, ob die Kinder zum Konzept passen.“ Schulleiter Korb verlangt „eine gewisse Belastbarkeit“, denn „unser Schultag ist länger und straffer organisiert als an staatlichen Schulen“.

 

L wie lange Schultage

Ganztagsunterricht kann attraktiv sein, wenn dafür nach Schulschluss um 16.55 Uhr die Hausaufgaben bereits erledigt sind. So überlegte der heute 13-jährige Fabian Heigl nicht lange, ob er nach der fünften Klasse von der öffentlichen Hauptschule in die sechste Klasse der privaten IsarVolksschule wechseln wollte. „Es gab am Abend ständig Streit wegen der Hausaufgaben, und Fabian saß noch am Schreibtisch, wenn er längst im Bett sein sollte“, erinnert sich seine Mutter Beate Heigl. Das Problem belastete die ganze Familie. In der alten Schule traute sich der Junge selten, im Unterricht nachzufragen, wenn er etwas nicht verstanden hatte. Jetzt hat er damit kein Problem mehr. Es ist immer ein Lehrer da, an den er sich angstfrei wenden kann.
 

N wie neue Unterrichtskonzepte

Ob Englisch, Mathe oder Arbeit-Wirtschaft-Technik, jedes Fach wird in der Isar-Volksschule als Doppelstunde unterrichtet. Auf eine Unterrichtsstunde folgt immer eine zugehörige Arbeitsstunde. In dieser Zeit erledigen die Schüler ihre (Haus-)Aufgaben in Anwesenheit der unterrichtenden Lehrkraft. „Damit ist das Thema Hilfe zu Hause vom Tisch“, freut sich Beate Heigl. Beide Eltern arbeiten Vollzeit. Wenn sie abends nach Hause kommen, müssen sie nur noch Vokabeln abhören – das schreibt der Schulvertrag so vor. Die 320 Euro Schulgeld im Monat nehmen sie für die Verbesserung ihrer Lebensqualität gern in Kauf.
 

S wie Schulgeld

„Kann ich mir das überhaupt leisten?“, fragen viele Eltern, denn Privatschulen verlangen Schulgeld. Je nach Bundesland schießt der Staat für die sogenannten Ersatzschulen zwischen 60 und 93 Prozent der Fixkosten zu. Ersatzschulen sind Privatschulen, die den gleichen Unterrichtsstoff vermitteln wie staatliche Schulen. Ergänzungsschulen nennt man dagegen diejenigen, welche nach einem alternativen Lehrplan unterrichten, zum Beispiel Internationale Schulen. Sie bekommen keine staatlichen Mittel. Daher verlangen sie in der Regel deutlich mehr Schulgeld. Aber alle Privatschulen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Beiträge so zu kalkulieren, dass sie auch von einkommensschwachen Familien gezahlt werden können. Besonders günstig sind Schulen in kirchlicher Trägerschaft.
 

W wie Wertevermittlung

Respekt, Halt, Persönlichkeitsentfaltung – bei diesen Attributen vertrauen Eltern eher der Kirche. Im Leistungsdruck öffentlicher Gymnasien gehe das Wesentliche verloren. „Bei uns erwarten Eltern einfach mehr“, erläutert Ingrid Schulten-Willius, Schulleiterin der katholischen Liebfrauenschule in Köln. Gottesdienst und Religionsunterricht sind für alle Pflicht. Doch das bedeute nicht, dass die Schule nur auf Gott vertraue. „Wir haben zum Beispiel einen Klassenrat eingeführt, in dem sich die Schüler regelmäßig im Unterricht mit Konflikten auseinandersetzen“, berichtet der pädagogische Leiter Klaus Ballermann. „Ein Lehrer ist immer dabei. Die Schüler sollen aber eigenständig Lösungen finden, die keiner vorgibt.“
 

Z wie Zufriedenheit

Der Umgang miteinander und das Klima in der Liebfrauenschule sind sehr gut, bestätigen die beiden Oberstufenschüler Michael Agi und Kyrill Boschung. „Jeder wird auf seine Art und Weise respektiert. Wir sind eine große Schulgemeinschaft.“ Der Rucksack mit iPod, Handy und Portemonnaie könne auch einfach mal in der Eingangshalle liegen bleiben. „Da kommt nichts weg.“

Dass nicht nur Schüler, sondern auch Eltern mit Privatschulen zufrieden sind, bestätigt die Schulkompass-Umfrage. Das heißt jedoch nicht, dass Privatschulen grundsätzlich besser sind, denn bei den Befragten kommen auch öffentliche Schulen „noch gut“ weg. Kein Wunder, haben diese sich doch von der privaten Konkurrenz einiges abgeguckt – von G wie Ganztagsschule bis I wie intensive Betreuung. 

 
 
 
 
 
 
 
 
   
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