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FOCUS-SCHULE, Heft-Nr. 03/2008 |
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Oberstufenreform – Der Trend geht zurück zur Stärkung der Kernfächer. So sollen Schüler besser aufs Studium vorbereitet werden Von FOCUS-SCHULE-Redakteur Volker Gieritz und K. Zschemisch
 Eingeschränkte Fächerwahl, keine Leistungskurse mehr. In der neuen Oberstufe geht zudem der Trend zurück zum Klassenverband. Nicht nur bei Facebook oder den Lokalisten zeigen die Schüler des Schulzentrums Blumenthal „Profil“: Der modische Begriff steht auch im Zentrum einiger Varianten der föderalen Oberstufenreform. Die Bremer Gymnasiasten entscheiden sich in der zehnten Klasse, mit welchem Unterrichtsschwerpunkt sie Oberstufe und Abitur bestehen wollen. Wählen können sie dabei zwischen sechs verschiedenen „Profilen“, bei denen jeweils ein Leistungskurs mit zwei Grundkursen kombiniert wird. Auf Druck von Wissenschaft und Wirtschaft reformieren Bremen und andere Bundesländer seit einiger Zeit ihre gymnasialen Oberstufen. Das bisherige Kurssystem, bei dem Schüler wie an der Universität relativ frei die Fächerkombinationen für das Abitur wählen können, weicht den eher starren Profil-Oberstufen. Hochschulen und Betriebe bemängeln seit Jahren, dass es deutschen Abiturienten an grundlegenden Kompetenzen fehle. Vor allem in den sogenannten Kernfächern Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen erwarten sie mehr Wissen von den angehenden Studenten. „Das ist die wichtigste Reform in den letzten 30 Jahren“, sagt Ulrich Trautwein vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. „Doch die Stärkung der Kernfächer Mathematik und Deutsch geht vermutlich zu Lasten von kleineren Unterrichtsfächern wie Kunst, Sport, Geschichte oder Geografie. In bestimmten Bundesländern auch zu Lasten der Naturwissenschaften.“ Das bestätigt auch Oberstufenkoordinator Reinhard Hirsch vom Schulzentrum Blumenthal in Bremen: „Wenn sich alles auf Kernfächer konzentriert, sehe ich eher Rückschritt als Fortschritt. Ich befürchte, dass dann nur eine Anhäufung von Fachwissen stattfindet und soziale Komponenten und Selbstständigkeit das Nachsehen haben. Man entmündigt die Schüler, wenn man ihnen Fächer so explizit vorschreibt.“ Ausgleich mit Projektarbeit Zusätzlich zum normalen Unterricht erarbeiten die Schüler im Schulzentrum Blumenthal deshalb einmal im Halbjahr in kleinen Teams Projekte, bei denen sie ein übergeordnetes Thema aus der Perspektive von zwei der drei Profilfächer beleuchten. So werden in Pädagogik und Geschichte die Erziehungsziele im Mittelalter mit denen von heute verglichen. „Das fächerübergreifende Arbeiten im Team ist sehr wichtig. Wir wollen damit Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schüler fördern und sie besser auf das Studium vorbereiten“, sagt Lehrer Reinhard Hirsch. Die erste Profil-Oberstufe wurde bereits vor 15 Jahren an der Hamburger Max-Brauer-Schule als wissenschaftliches Modellprojekt verwirklicht. Dort werden heute drei Profile (z.B. Mensch und Gesellschaft) angeboten. Der Unterricht in den Profilfächern umfasst bei den Hamburgern derzeit die Hälfte der Wochenstunden; in der verbleibenden Unterrichtszeit wählen die Schüler weitere Kurse, die sie fürs Abitur benötigen. keine Grund- und Leistungskurse mehr Als erstes Bundesland kam Baden-Württemberg dem Wunsch nach einer breiteren und besseren Allgemeinbildung flächendeckend nach. Hier wurden 2002 die Grund- und Leistungskurse abgeschafft. Sie bestimmten früher, wie viele Stunden und wie intensiv der Stoff in einem Fach unterrichtet wurde. Stattdessen muss jeder Schüler nun verpflichtend Mathematik, Deutsch sowie eine Fremdsprache wöchentlich in vier Unterrichtsstunden auf „hohem Niveau“ pauken – und auch als schriftliches Prüfungsfach im Abitur belegen. Hinzu kommt ebenfalls vierstündig ein Profilfach – meist eine weitere Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft. Nur wenige Schulen bieten künstlerische, musische oder sportliche Profile an. Als fünfte Vorgabe muss der baden-württembergische Abiturient noch das sogenannte Neigungsfach belegen, das einigermaßen frei gewählt werden kann. In einem der Profil- oder Neigungsfächer muss der Oberstufler ebenfalls eine schriftliche Abiturprüfung ablegen. Die restlichen Nebenfächer, wie Erdkunde oder Geschichte, werden mit zwei Wochenstunden unterrichtet. Zum Schuljahr 2008/09 folgen Schleswig-Holstein, Hamburg und Thüringen im Kern dem Modell des Stuttgarter Kultusministeriums. Rückkehr zum Klassenverband Nicht nur pädagogische Gründe zählen bei der Einschränkung der freien Fächerwahl: Demografische wie ökonomische Entwicklungen sind für die Reform ebenfalls ausschlaggebend. So werden durch die Rückkehr zum Klassenverband die Kurse größer – Lehrkräfte können eingespart werden. Die Reform trägt auch den Bedingungen in kleinen Gymnasien Rechnung, wo oftmals nicht genug Schüler für einen Kurs zusammenkommen. Doch nicht alles ist nur hartes Kerngeschäft. So sind „besondere Lernleistungen“ wie die Teilnahme an Wettbewerben oder Projekte wie am Schulzentrum Blumenthal als Teil der Abiturprüfung abgesegnet. Das lässt noch ein wenig kreativen Spielraum. Schlagwörter: Abitur Abiturienten Berlin Betriebe Bremen Bundesländern Fächer Fremdsprache Geschichte Gesellschaft Halbjahr Hälfte Klasse Lasten Mathematik Max-Planck-Institut Mensch Oberstufe Reform Schüler Studenten Studium Thüringen Uni Universität Unterricht Wirtschaft Wissen Wissenschaft Wunsch |
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